Die beliebtesten Heilpflanzen und Heilkräuter

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Haben Sie keine Lust auf die Chemiekeule? Für eine große Bandbreite an Beschwerden haben sich über Jahrhunderte eine Menge Heilpflanzen und Heilkräuter bewährt, die noch heute Ihre Anwendung in pflanzlichen Arzneimitteln finden. Diese Art von Arznei sollte man auf keinen Fall mit homöopathischen Mitteln, bei der pflanzliche Anteile bis zur Unkenntlichkeit verdünnt werden, verwechseln!

In unserer Topliste finden Sie eine Zusammenstellung einiger beliebter Heilpflanzen und Heilkräuter für Ihre natürliches Wohlbefinden.

1. Baldrian – natürliche Hilfe bei Prüfungsangst oder Schlafproblemen

Heilpflanze Baldrian
Baldrian (Valeriana officinalis)

Es gibt ca. 250 Baldrian-Arten. Zu medizinischen Zwecken wird der echte bzw. große Baldrian (Valeriana officinalis) verwendet, der schon lange als Arzneipflanze bekannt ist. Jedoch entdeckten Mediziner erst Ende des 18. Jahrhunderts seine beruhigende und schlaffördernde Wirkung.

Wie wirkt Baldrian?

Baldrian-Präparate sind ein sehr beliebtes pflanzliches, mildes Mittel bei leichten Schlafstörungen. Die Inhaltsstoffe, die aus der Baldrian-Wurzel extrahiert werden, wirken hemmend auf Botenstoffe im Zentralnervensystem. Dadurch werden innere Unruhe, Nervosität sowie Ein- und Durchschlafprobleme gelindert. Baldrian eignet sich somit z. B. auch zur Verminderung von Prüfungsangst.

Führen chemische Schlafmittel oftmals zu Tagesmüdigkeit, passiert dies bei der Einnahme von Baldrian in der Regel nicht. Jedoch dauert es meistens zwei Wochen oder länger, bis sich eine Verbesserung des Schlafs einstellt.

Wie kann Baldrian eingenommen werden?

Baldrian ist sowohl als Monopräparat als auch in Kombipräparaten erhältlich. Bei Letzteren wird Baldrian mit anderen bekannten Heilpflanzen kombiniert, die ebenfalls eine sedierende Wirkung haben. Hierzu zählen unter anderem Melisse oder Hopfen. Ebenfalls beliebt ist die Verwendung der Baldrian-Wurzel in verschiedenen Teemischungen.

Zur richtigen Dosierung und Anwendung ist eine Beratung in der Apotheke empfehlenswert.

2. Johanniskraut – Heilpflanze mit 2000-jähriger Erfahrung

Heilpflanze Johanniskraut
Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Schon vor über 2000 Jahren behandelten Heilkundige unter anderem Wunden und Rheuma mit Johanniskraut. Aber erst im späten Mittelalter wurde die Heilpflanze zur Behandlung von Angst und Stimmungsschwankungen verwendet.

Wie wirken Präparate mit Johanniskraut?

Im Gegensatz zu Baldrian wird zur Herstellung von Präparaten aus Johanniskraut die gesamte Pflanze außer der Wurzel genutzt. Jedoch ist immer noch unklar, welche Inhaltsstoffe des Krauts die Wirkung hervorrufen.

Außerdem kamen verschiedene Studien hinsichtlich der Wirkung gegen depressive Verstimmungen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Dennoch ist es als pflanzliches Arzneimittel zugelassen und wird zur Behandlung von leichten bis mittelschweren Depressionen als geeignet eingestuft.

Wichtige Hinweise zur Anwendung von Johanniskraut

Bis sich ein positiver Effekt auf das psychische Befinden einstellt, können mehrere Wochen vergehen. Nach spätestens sechs Wochen ohne Veränderung oder sogar Verschlechterung des Befindens sollte die Behandlung allerdings eingestellt werden.

Zudem kann Johanniskraut mit vielen Medikamenten wechselwirken. Hierzu zählt zum Beispiel die Antibabypille. Besprechen Sie mögliche Wechselwirkungen und die richtige Dosierung vorab unbedingt mit einem Arzt oder Apotheker.

3. Lavendel – so schön beruhigend

Ein Bund Lavendel-Stängel mit Blüten
Echter Lavendel (Lavandula angustifolia)

Echter Lavendel ist aufgrund seines angenehmen Geruchs und seiner intensiven Farben sehr beliebt. Die im Mittelmeerraum beheimatete Pflanze ist sowohl in unseren Gärten als auch in unseren Badezusätzen weit verbreitet. Und auch als Heilpflanze ist der Echte Lavendel bei schlafgestörten Menschen gebräuchlich.

Wie wirkt Lavendel?

In den Lavendelblüten befinden sich die wirksamen Inhaltsstoffe, die bis zu drei Prozent ätherisches Öl enthalten. Dieses setzt sich primär aus den Substanzen Linalylacetat und Linalool zusammen. Studien zufolge wirken diese Substanzen positiv auf die Psyche und den Schlaf aus. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Lavendel nicht nur eine schlaffördernde, beruhigende Wirkung erzielt, sondern ebenso einen angstlösenden Effekt haben könnte.

Anwendung von Lavendel

Tabletten, Entspannungsbad, als Spray oder reines Öl – die Anwendungen von Lavendel sind vielseitig. Leiden Sie unter Angstzuständen oder Schlafstörungen? Dann sollten Sie zunächst mit einem Arzt klären, ob und welcher Einsatz von Lavendel sinnvoll für Sie wäre.

Ätherische Öle sollten zudem nur verdünnt verwendet werden, da sie in konzentrierter Form die Haut und Schleimhäute reizen.

4. Anis – Ouzo, Pastis, Sambuca und Heilpflanze

Heilpflanze Anis
Anis (Pimpinella anisum)

Im richtigen Maß sind Anisschnäpse natürlich auch eine Art von Medizin. Jedoch bietet Anis auch noch andere gesundheitsfördernde Vorteile, denn die Anisfrüchte enthalten ätherisches Öl.

Wie wirkt Anis?

Wussten Sie, dass Anis auch festsitzenden Schleim aus den Bronchien lösen kann? Ätherische Öle, die in Anis enthalten sind, lindern somit Erkältungen und Nasennebenhöhlenentzündungen.

Die bekannteste Verwendung von Anis ist wahrscheinlich die Zubereitung in Tees und kommt oftmals im Zusammenspiel mit Fenchel und Kümmel zum Einsatz. Aufgrund der leicht krampflösenden Wirkung eignet sich Anis zum Beispiel bei Völlegefühl und Blähungen.

5. Fenchel – Heilpflanze und eines der ältesten Gewürze

Heilpflanze Fenchel
Fenchel (Foeniculum vulgare)

Fenchel hat laut Überlieferung eine lange Tradition als Gewürz, aber auch als Arzneimittel. Zur Linderung von Verdauungsbeschwerden wird es bereits seit dem Mittelalter genutzt.

Wie wirkt Fenchel als Heilpflanze?

Es gibt bitteren und süßen Fenchel. Im medizinischen Bereich findet hauptsächlich der Bitterfenchel Verwendung. Die in den Fenchelfrüchten enthaltenen ätherischen Öle lösen festsitzenden Schleim aus den Bronchien und befreien die Atemwege.

Ebenso wie Anis wirkt das Öl verdauungsfördernd und krampflösend. Fenchel hilft demzufolge bei Blähungen und Völlegefühl. Als Tee ist die Kombination mit Anis und Kümmel sehr beliebt.

Auch für junge Mütter ist Fencheltee ein bewährtes Mittel, denn er regt die Milchbildung an.

6. Teufelskralle – Hilfe bei Rheuma, Arthrose und Rückenschmerzen?

Teufelskralle (Harpagophytum procumbens)
Teufelskralle (Harpagophytum procumbens)

Ihren Namen verdankt die Teufelskralle ihren Früchten, die der Kralle eines Ungeheuers ähneln. Aber Angst muss man deshalb nicht vor ihr haben. Denn in Ihren Wurzelausläufern verstecken sich wirksame Inhaltsstoffe. Forscher stellten fest, dass diese entzündungshemmende und leicht schmerzstillende Eigenschaften besitzen.

Wofür eignet sich Teufelskralle?

Somit eignet sich Teufelskralle wahrscheinlich, um die Symptome von Rheuma, Arthrose und Rückenschmerzen zu lindern. Jedoch fehlt es noch an Daten zur Langzeitverträglichkeit und therapeutischen Wirksamkeit.

Teufelskralle sollte daher nur als unterstützendes Mittel der Behandlung verwendet werden. Eine Standardtherapie bei Rheuma und Gelenkschmerzen ersetzt die Heilpflanze also nicht. Zudem treten positive Effekte erst nach mehrwöchiger Einnahme auf.

Mithilfe eines Tees aus Teufelskrallenwurzel können Sie auch kurzfristig Blähungen oder ein Völlegefühl lindern.

7. Eukalyptus – Australiens bekannteste Heilpflanze gegen Husten und verstopfte Nasen

Blätter der Heilpflanze Eukalyptus
Eukalyptus (Eucalyptus globulus)

Die aromatisch riechenden Blätter des Eukalyptus sind nicht nur bei Koalas sehr beliebt. Denn diese Blätter beinhalten eine Menge ätherisches Öl, das in Arznei Verwendung findet.

Wie wirkt Eukalyptus?

Insbesondere die in Eukalyptusöl enthaltene Substanz Cineol befreit die Bronchien und Nasennebenhöhlen von festsitzendem Schleim und begünstigt das Abhusten. Sogar bei einer akuten Bronchitis oder einer Nasennebenhöhlenentzündung eignet sich Eukalyptus. Weitere positive Eigenschaften des Öls sind die leicht krampflösende Wirkung, der kühlende Effekt auf der Haut und den Schleimhäuten sowie die Hemmung des Bakterienwachstums.

Die Verwendung von Eukalyptus ist vielseitig. Sie können Hustenbonbons lutschen, Kapseln einnehmen oder das Öl in verdünnter Form inhalieren. Ebenso sind Erkältungsbäder und Balsam zum Einreiben beliebte Formen der Verwendung des Eukalyptus.

8. Isländisch Moos – die nordische Flechte mit Schleimstoffen

Heilpflanze Isländisch Moos
Isländisch Moos (Cetraria islandica)

Eigentlich ist Isländisch Moos eine Flechte und wächst überall im hohen Norden. Aber entdeckt wurde die Heilpflanze tatsächlich von Isländern. Besonders bei Atemwegserkrankungen schafft die Heilflechte Abhilfe.

Wie wirkt Isländisch Moos?

Zur Herstellung pflanzlicher Arznei mit Isländisch Moos wird dessen Flechtenkörper verwendet. Dieser besteht zu über 50 Prozent aus schleimbildenden Zuckermolekülen. Wie ein Schutzfilm legen sich die Zuckerstoffe über gereizte Schleimhäute im Mund, Rachen und Magen und beruhigen sie dadurch. Halsschmerzen, Reizhusten und Heiserkeit werden somit gelindert.

Da Isländisch Moos ebenso das Wachstum von Bakterien hemmt, eignen sich Zubereitungen aus der Heilpflanze auch zur Behandlung einer entzündeten Magenschleimhaut.

9. Ginkgo – pflanzlicher Treibstoff für Ihr Gedächtnis?

Heilpflanze Ginkgo
Ginkgo (Ginkgo biloba)

Ginkgo ist uralt und gilt in China und Japan sogar als lebendes Fossil. Seit Jahrtausenden ist er dort als Heilpflanze bekannt. Ein einzelner Ginkgo-Baum kann über 1000 Jahre alt werden. In dessen Blättern befinden sich zudem wirksame Inhaltsstoffe.

Was kann Ginkgo?

Das Zusammenwirken von Flavonoiden, Ginkgoliden und Terpenen, die in Ginkgo bzw. den Ginkgoblättern enthalten sind, hat in Laborversuchen viele Effekte gezeigt.

Hierzu zählen der Schutz von Nervenzellen vor schädlichen Einflüssen und die Unterstützung der Funktion bestimmter Botenstoffe im Gehirn, die das Gedächtnis und Lernen beeinflussen. Außerdem werden durch die Stoffe die Fließeigenschaften des Blutes verbessert, die Blutgerinnung gehemmt und freie Radikale eingefangen.

Die Vermutung liegt daher nahe, dass Ginkgo helfen kann, wenn sich die Konzentration verschlechtert, das Lernen schwerfällt oder allgemein die geistige Fitness abnimmt. Ein positiver Effekt könnte auch bei Krankheiten mit Durchblutungsstörungen wie z. B. Tinnitus auftreten.

Jedoch lässt sich noch nicht sicher sagen, ob Ginkgo tatsächlich einen Einfluss auf unser Gedächtnis hat oder bei Tinnitus helfen kann. Verschiedene Untersuchungen kommen hierbei auf unterschiedliche Ergebnisse.

Wie sollte Ginkgo eingenommen werden?

In Tees aus Ginkgoblättern werden wirksame Stoffe nicht ausreichend herausgelöst, weshalb aufkonzentrierte Extrakte genutzt werden sollten. Ein Behandlungsversuch mit Ginkgo-Präparaten ist gerechtfertigt, wenn andere Mittel nicht eingesetzt werden können.

Personen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen oder operiert werden müssen sowie Schwangere sollten auf Ginkgo verzichten. Lassen Sie sich vor der Einnahme am besten in einer Apotheke beraten.

10. Thymian – mehr als ein Gewürz

Thymian als Heilpflanze bei Husten
Thymian als Heilpflanze bei Husten

Thymian ist mehr als nur ein aromatisches Gewürz. In der Pflanze steckt das wertvolle ätherische Thymianöl mit den Stoffen Thymol und Carvacrol. Es wirkt krampflösend auf die Bronchien, auswurffördernd und entzündungshemmend. Zudem bekämpft es Bakterien, Viren und Pilze.Die Heilpflanze ist medizinisch anerkannt als Mittel gegen Entzündungen des oberen Atemtrakts, wie z. B. Husten oder Bronchitis.

Wird wird Thymian angewendet?

Bei der Anwendung haben Sie eine Vielzahl von Möglichkeiten. Besonders weit verbreitet ist die Zubereitung als Tee, aber auch viele pflanzliche Hustensäfte enthalten Thymian. Darüber hinaus können Sie auf Thymianpastillen oder auch Salben zurückgreifen. Auch in vielen Erkältungsbädern ist Thymian ein Bestandteil der Mixtur aus ätherischen Ölen.